Katastrophenschutzübung mit mehreren Hundert Einsatzkräften
Ausgangspunkt der Übungsszenarien war eine Ankündigung des Deutschen Wetterdienstes mit schweren Gewittern, orkanartigen Böen und Starkregen. Deshalb wurde am Samstag um kurz nach 7 Uhr durch die Integrierte Leitstelle (ILS) die sog. „Entscheidergruppe“ alarmiert, bestehend aus Führungsdienstgraden der verschiedenen Hilfsorganisationen und Vertretern des Landratsamtes. Nachdem in Folge des mittlerweile aufgezogenen Unwetters die Kliniken in Kronach sowie in Nachbarlandkreisen an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt sind, bat die ILS den Rettungsdienst um die Errichtung einer Erstversorgungszone für Patienten, bis die Kliniken wieder aufnahmebereit sind. Mit dem Übungsschwerpunkt im Bereich der Logistik wurde diese in Kronach aufgebaut.
Währenddessen kommt es in der ehemaligen Porzellanfabrik in Burggrub zu einer Verpuffung. Die Herausforderung für die Einsatzkräfte inklusive Hundesuchtrupps lag hierbei im Auffinden von Verschütteten, in der Versorgung der Verletzten sowie dem Austritt von Gefahrengut entgegenzuwirken. Für die Übungsteilnehmer standen dabei die Patientenversorgung in schwer zugänglichem Gebiet, die Sicherheit in einem Trümmerfeld und die Koordination mehrerer verschiedener Einheiten im Mittelpunkt.
Aufgrund des Unwetters kommt es in Neuses zu einem Dammbruch mit Wassereinbruch in einem Gebäude. Infolgedessen stürzen im Bereich des Zollwehrs mehrere Dorfbewohner in den zwischenzeitlich reißenden Fluss. Für die Einsatzkräfte lag der Fokus hierbei auf der Sicherung des Deiches, dem Retten von Menschen aus dem Gewässer und der Warnung der Bevölkerung. Im Zuge dieses Szenarios wurde fiktiv auch eine erforderliche Evakuierung mit Schaffung eines Ersatzquartiers durchgespielt.
Im Laufe des Vormittages ereignet sich zudem im Bereich des Ölschnitzsees ein Verkehrsunfall mit Frontalzusammenstoß, bei dem mehrere Personen eingeklemmt werden. Durch die Kräfte des Zusammenstoßes wird zudem ein mit Heizöl gefüllter IBC-Container auf einem der Fahrzeuge in den See katapultiert und droht auszulaufen. Aufgabe der Einsatzkräfte war es hierbei, einen Umweltschaden abzuwenden.
Blitzeinschläge verursachen darüber hinaus zwei großflächige Waldbrände im Bereich der Kremnitzmühle und von Trebesberg. Dort wurden von den Einsatzkräften die erarbeiteten Konzepte zur Vegetationsbrandbekämpfung beprobt. Knackpunkt war hier die Sicherstellung der Löschwasserversorgung sowie die Sicherstellung des Rettungsdiensteinsatzes in unwegsamem Gelände.
Letztendlich eskaliert die angespannte Einsatzlage, als es in Steinwiesen zu einem Zusammenstoß der vollbesetzten Rodachtalbahn mit einem Fahrzeug kommt, das mit Gefahrgut beladen ist. Übungsschwerpunkte bildeten hier der Einsatz von Spezialausrüstung in Verbindung mit Gefahrgut, der Eigenschutz der Einsatzkräfte in Verbindung mit gefährlichen Stoffen und die Patientenversorgung.
Nachdem die jeweiligen Unglücksszenarien die Einsatzleitungen vor Ort vor immer größere Herausforderungen auch in Bezug auf die landkreisweite Koordinierung der Einsatzkräfte stellte, löste Landrat Klaus Löffler im Laufe des dynamischen Übungsszenarios den Katastrophenfall aus. Dies ruft die sogenannte Führungsgruppe Katastrophenschutz auf den Plan, in der je nach Anforderung Vertreter verschiedener Behörden und Organisationen angesiedelt sind und die in diesem Fall die administrative und organisatorische Gesamt-Einsatzleitung übernimmt.
Landrat Klaus Löffler zeigte sich im Nachgang der Übung angesichts der äußerst komplexen Übungsanforderungen beeindruckt. „Alleine eine solche Übung zum Schutz von uns allen auf die Beine zu stellen, ist eine riesige Herausforderung und Kraftanstrengung. Dann aber noch rund 1000 Einsatzkräfte zu koordinieren, ist gerade auch mit Blick auf die jeweiligen Einsatzschwerpunkte zweifelsohne eine Meisterleistung, die uns mit Blick in die Zukunft ein gewisses Maß an Sicherheit verleiht. Ich danke deshalb allen, die sich hier eingebracht haben und sich zumeist ehrenamtlich in den Dienst von uns allen stellen – allen voran natürlich allen Beteiligten aus der Blaulichtfamilie und allen Hilfsorganisationen sowie den Vertretern unterschiedlicher Organisationen und Institutionen. Eine solche Leistung kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang auch dem befreundeten Hilfsleistungskontingent aus Eichstätt, das in die Übung eingebunden war, sowie den beiden Löschzügen aus den benachbarten Landkreisen Saalfeld und Lichtenfels zur Absicherung von Ernstfällen.“