Förderinitiative für den Frankenwald-Forst – Gewaltige Schäden veranschaulichen große Herausforderungen

Meldung vom 22.07.2019

Die Forstwirtschaft im Frankenwald und insbesondere im Landkreis Kronach steht momentan vor erheblichen Herausforderungen. Unerlässlich ist deshalb eine noch deutlich umfassendere Förderinitiative für den Frankenwald, um Klimaschäden zu begrenzen, gezielten Waldumbau zu betreiben und die Forschung für einen klimabeständigen Zukunftswald zu intensivieren. Das war die Kernforderung bei einem Vor-Ort-Termin, zu dem Landrat Klaus Löffler und Landtagsangeordneter Jürgen Baumgärtner an den Pressiger Berg bei Welitsch eingeladen hatten.

Dort verschaffte man sich einen Eindruck von den gewaltigen Schäden aufgrund extremer Trockenheit und Borkenkäferbefall. Teilnehmer waren Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) sowie der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kronach-Rothenkirchen.

Laut WBV-Vorsitzendem Georg Konrad steht das Werk von ganzen Generationen in Frage. „Nicht nur die Fichte ist betroffen, auch andere Baumarten leiden“, so Konrad. Unseren Wäldern gehe es momentan extrem schlecht. Die Situation sei verheerend und mit anderen Regionen nicht vergleichbar, so stellvertretender Vorsitzender Markus Wich. Wir befänden uns auf einer Trockeninsel, welche dringend Hilfe benötige. Geschäftsführer Tobias Wicklein schilderte die tägliche Situation vor Ort. Die Lage für die Waldbesitzer werde immer auswegloser und teilweise sogar existenzbedrohend. Unser Frankenwald sterbe in Teilen ab. Holzverkaufserlöse deckten in den meisten Sortimenten die Aufarbeitungskosten nicht mehr. Gerade ältere Waldbesitzer mit kleiner Rente könnten sich die Bekämpfung der Borkenkäfer auf ihren Flächen vielleicht bald nicht mehr leisten und müssten das Holz stehen und den Wald sterben lassen.

Wenn das Schadholz jedoch jetzt nicht umgehend aufgearbeitet und von der Fläche geräumt werde, breite sich der Borkenkäfer immer weiter aus, und die Wälder würden großflächig absterben, erklärte Wicklein. Der Frankenwald würde sein Gesicht als „grüne Krone Bayerns“ verlieren. Die Folgen wären dramatisch. Nicht nur für die Waldbesitzer, Forstunternehmer und Sägewerke, sondern auch für den Tourismus- und Erholungssektor und nicht zuletzt sogar für die Trinkwasser- und Luftqualität hätte dies weitreichende Folgen.

Neben der staatlichen Hilfe für den insektizidfreien Waldschutz wäre dringend eine Unterstützung für Flächenräumungen notwendig, um anschließend klimatolerante Mischwälder aufzubauen, so die drei WBV-Vertreter. Auch brauche es mehr Unterstützung in der Baumartenauswahl. Forstdirektor Dr. Michael Schmidt sah in der Frage „Was forsten wir wieder auf?“ eines der wesentlichen Handlungsfelder, welches in ein Gesamtkonzept münden müsse. Der zuständige Revierförster Armin Hanke stellte einen Ausschnitt der Klimakarte 2100 vor, welche die Fichte fast im gesamten Landkreis als nicht geeignet kennzeichnet.

Trockenheit, Dürre und Schädlinge hätten in diesem und im vergangenen Jahr drastische Folgen für den Frankenwald mit sich gebracht, so Landrat Klaus Löffler. „Ganze Flächen mussten und müssen noch gerodet werden.“ Unser Frankenwald sei ein äußerst wichtiger Wirtschafts-, Umwelt- und Klimafaktor. Er präge den Charakter unserer Heimat und sei daher unschätzbar wertvoll. „Wir müssen alles daran setzen, ihn zu erhalten und zukunftsfähig aufzustellen“, so Löffler. Auch werde der Landkreis den heimischen Rohstoff Holz künftig mehr in Wert setzen.

Jürgen Baumgärtner, MdL, begrüßte die „bayernweite Initiative unseres Ministerpräsidenten, 30 Millionen Bäume in den nächsten fünf Jahren zu pflanzen und den Auftrag der Bayerischen Staatsforsten dahingehend auszurichten, dass wir einen klimafreundlichen und klimabeständigen Staatswald für die Zukunft aufbauen“. Er sei froh, dass der Ministerpräsident sehr gut im Auge habe, welche Herausforderungen in den waldreichen Regionen Bayerns – wie dem Frankenwald – bestünden, und dass er diese in Angriff nehme. „Froh bin ich außerdem, dass der Ministerpräsident deutlich gemacht hat, dass wir diesbezüglich nicht ausschließlich im Staatswald tätig werden dürfen, sondern die Privatwaldbesitzer/-innen ebenfalls Unterstützung benötigen“, sagte Baumgärtner.

Der Frankenwald und die heimischen Privatwaldbesitzer/-innen bräuchten aufgrund der speziellen regionalen Herausforderungen besondere Unterstützung. „Und dafür setze ich mich ein“, so der Abgeordnete. Im ersten Schritt sei es gelungen, die Hilfen zur Bekämpfung des Borkenkäfers zu erhöhen. Die Förderung für den Abtransport von befallenen Bäumen aus dem Wald sei von 5 Euro pro Kubikmeter auf bis zu 12 Euro angehoben worden.

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