Hommage an Adolph Kurt Böhm mit exklusivem "Mitwitzer Schlosskonzert"

Meldung vom 16.09.2020

Der Landkreis Kronach ehrt am kommenden Sonntag den 1926 in Oberlangenstadt geborenen Komponisten Adolph Kurt Böhm mit einem exklusiven „Mitwitzer Schlosskonzert“, zu dem aufgrund der coronabedingten Vorgaben leider nur eine begrenzte Besucherzahl zugelassen werden konnte, weswegen von Kartennachfragen im Kreiskulturreferat und an der Abendkasse abzusehen ist.

Der Musiker gastierte bereits 1992 mit dem Sänger Andreas Reibenspies im romantischen Wasserschloss an der Steinach mit seinen Gedichtvertonungen zum 30. Todesjahr von Hermann Hesse. Deshalb freute er sich sehr, dass die Küpser Cellistin Ulrike Gossel im vergangenen Jahr einige seiner Kompositionen für sich entdeckte und dem Künstler, dessen Geburtshaus heute zu ihrer Heimatgemeinde gehört, eine Veranstaltung widmen wollte, zu der dieser sein Kommen ankündigte.

Sein plötzlicher Tod im Februar dieses Jahres vereitelte diesen Plan und so kann dieses „Souvenirs-Konzert“ nur Hommage an einen ganz besonderen Menschen und Künstler sein.

Adolph Kurt Böhm war der zweite Sohn des jüdischen Fabrikanten Josef Böhm und dessen Frau Maria. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde der Vater von einem Bekannten zu Unrecht als politischer Agitator denunziert und ins KZ Dachau gebracht. Mit Unterstützung des Bamberger Erzbischofs gelang es seiner Frau, den schwer Misshandelten nach drei Wochen freizubekommen. Die Familie floh kurz darauf nach Paris.

In der anfänglich sehr entbehrungsreichen Zeit begann Adolph Kurt Böhm seine künstlerische Ausbildung. Bereits als Jugendlicher komponierte er erste Musikstücke und begann ein Studium der Malerei. Sein zeichnerisches Talent nutzte er während der deutschen Besatzung von Paris dazu, jüdischen Mitbürgern gefälschte Ausweise zu verschaffen und sie so vor dem Zugriff der Behörden zu retten. Dafür wurde er 1995 mit der Auszeichnung „Gerechter unter den Völkern“ des Staates Israel geehrt.

Adolph Kurt Böhm wirkte viele Jahre in Frankreich als gefragter Klavierbegleiter. Der ungarische Klaviervirtuose György Cziffra wurde ihm zum langjährigen Lehrer und Freund. Seine Lebenserinnerungen, die er 2014 unter dem Titel „Musik und Menschlichkeit“ veröffentlichte, geben einen wundervollen und sehr persönlichen Einblick in ein turbulentes Künstlerleben.

Neben Instrumentalwerken komponierte Böhm mehr als 500 Kunstlieder, meist zu Texten romantischer Dichter. Die Weltsicht des Musikers war von großer Liebe für die Schöpfung geprägt. 2006 erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und 2009 den Manfred-Kyber-Gedächtnispreis.

Abendprogramm (pdf)

Kategorien: Landratsamt, Kultur