„Es wächst weiter zusammen, was zusammengehört“ – Festakt und Ausstellung zur Grenzöffnung zwischen Ludwigsstadt und Probstzella vor 30 Jahren

Meldung vom 15.11.2019

„Es wächst weiter zusammen, was zusammengehört.“ Unter diesem Motto wurde zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung zwischen Ludwigsstadt und Probstzella am 12. November 2019 im Haus des Volkes in Probstzella die seit dem 12. November 1990 bestehende Partnerschaftsvereinbarung zwischen den Landkreisen Kronach und Saalfeld-Rudolstadt (ehemals Saalfeld/Saale) mit den Unterschriften der Landräte der beiden Nachbarlandkreise, Klaus Löffler und Marko Wolfram, feierlich bekräftigt. In Verbindung damit wurden im Rathaus Ludwigsstadt mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine Gedenktafel zu „30 Jahre Grenzöffnung“ enthüllt und eine hochinteressante Ausstellung über den „Grenzraum Ludwigsstadt-Probstzella im Wandel der Zeit“ eröffnet, die die Geologisch-Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft (GHAG) mit Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig erstellt hatte.

Dass 1989 die Mauer ohne Gewalt und Blutvergießen gefallen sei, habe schlichtweg an ein Wunder gegrenzt, erinnerte Innenminister Joachim Herrmann. „Ein ganzes Volk, das Demokratie und Freiheit forderte“, sowie der große Einsatz der Menschen in Ost und West hätten letztlich zur deutschen Einheit geführt. Deutschland sei heute ein freies und glückliches Land, so der Minister. Auf dieser Basis gelte es, miteinander die anstehenden Aufgaben zuversichtlich anzupacken. Herrmann sagte seinen Einsatz für den Erhalt der Polizeiinspektion Ludwigsstadt zu und fügte augenzwinkernd hinzu, es werde aber keine „Grenzpolizeiinspektion“ mehr geben. Ministerpräsident Bodo Ramelow betonte: „Auf dieser Grenze wächst Hoffnung für die Zukunft.“ Er verwies auf das beachtliche Potenzial des ländlichen Raums im Allgemeinen und der fränkisch-thüringischen Region im Besonderen, das gemeinsam und grenzübergreifend erschlossen und weiterentwickelt werden müsse. „Wir bringen die Region um den Rennsteig nur gemeinsam nach vorn“, sagte er. „Was wir brauchen, sind nicht Miesmacher. Was wir brauchen, sind Mutmacher und Mitmacher“, so der Ministerpräsident.

Kronachs Landrat Klaus Löffler erinnerte sich, wie vor 30 Jahren eine erste „Trabi-Welle“ in den Landkreis Kronach strömte: „Ich sehe es noch vor mir, als wäre es erst gestern gewesen: Vom Falkenstein kommend, fuhr ein Trabi nach dem anderen durch meinen Heimatort Steinbach am Wald. Viele Ankommende stiegen aus und wurden freundlich begrüßt. Menschen, die sich zum ersten Mal begegneten, umarmten sich.“ In diesem Zusammenhang zitierte Löffler einen kirchlichen Jugendleiter, der kurz zuvor bei einem „Grenzgänger-Gottesdienst“ gesagt hatte: „Ich wünsche mir wieder etwas von der Freude von damals, als die Mauern fielen und sich fremde Menschen mit Tränen in den Augen umarmten.“ Ganz in diesem Sinn verbinde ihn, so Klaus Löffler, mit seinem Landratskollegen Marko Wolfram (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) die Überzeugung, „dass wir das Geschenk der Einheit noch freudiger und stärker ins Bewusstsein rufen und dass wir diese Einheit in unserem tagtäglichen Wirken auch bewusst leben sollten“. Deshalb, so Löffler weiter, „haben wir beide nicht nur mit unseren Bürgermeistern von Probstzella und Ludwigsstadt, Sven Mechtold und Timo Ehrhardt, zum Gedenken an ‚30 Jahre Grenzöffnung‘ eingeladen, sondern diese Feier auch mit der Bekräftigung der Partnerschaftsvereinbarung zwischen unseren beiden Nachbarlandkreisen verbunden“. Mit dieser Bekräftigung solle auch das Motto der gemeinsamen Festveranstaltung mit Leben erfüllt werden: „Es wächst weiter zusammen, was zusammengehört.“ Nachdrücklich betonte Landrat Klaus Löffler: „Gemeinsam wollen wir weiterarbeiten an der Zukunftssicherung für unsere lebens- und liebenswerte Heimatregion und damit zugleich einen wertvollen Beitrag leisten zur Vollendung der Deutschen Einheit.“

Landrat Marko Wolfram erzählte aus seiner Erinnerung an die Grenzöffnung von seiner ersten Fahrt über die Grenze, die er mit seiner Schwalbe unternahm, „um sich die Menschen drüben anzuschauen“. Dabei landete er am Grenzübergang mitten in der Großveranstaltung mit dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl und wurde von den dort Versammelten demonstrativ umjubelt. Auch Wolfram bekannte sich zum Auftrag beider Nachbar- und Partnerlandkreise, die gemeinsame Heimatregion miteinander gut in die Zukunft zu führen. Danach vergegenwärtigte eine Gesprächsrunde mit Zeitzeugen noch einmal lebhaft und emotional die Ereignisse von 1989. Teilnehmer waren der seinerzeitige Ludwigsstädter Bürgermeister Gert Bayerlein, die damaligen Landräte Dr. Werner Schnappauf (Kronach) und Jürgen Pfeiffer (Saalfeld) sowie Pfarrer Johannes Weiß, der in jener Zeit in Probstzella Dienst tat. Als Team traten die heutigen Bürgermeister der einstmals voneinander getrennten Nachbarorte Probstzella und Ludwigsstadt, Sven Mechtold und Timo Ehrhardt, auf und hoben die vorbildliche gemeinsame Zusammenarbeit im Projekt „LuPro“ wie auch die Perspektive eines gemeinsamen bundesländerübergreifenden Mittelzentrums hervor. Festlich umrahmt wurde die Feier von den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt unter Leitung von Oliver Weder, die das Programm mit der Nationalhymne beschlossen.

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