Der Rennsteig als Symbol für das Verbindende – Drei Gotteshäuser in Steinbach am Wald auf dem Denkmaltags-Programm 2018

Meldung vom 12.09.2018

Eine erfreulich große Resonanz erfuhr das Nachmittagsprogramm des Landkreises, das die Kreisheimatpflege zum Denkmaltag im Europäischen Kulturerbejahr 2018 in Steinbach am Wald durchführte. Das bundesweite Tagesmotto „Entdecken, was uns verbindet“ wurde vor Ort bekräftigt durch die berühmte Zeile aus Victor von Scheffels Rennsteig-Gedicht (1863): „Was Menschen trennt, das muss sie auch verbinden“. Entsprechend bezeichnete Landrat Klaus Löffler den Rennsteig als Inbegriff für alles, „was uns Trennungen überwinden lässt“. Und er betonte: „Wir dürfen wirklich dankbar sein dafür, dass wir die Vielfalt der kulturellen Prägungen in unserer fränkisch-thüringischen Heimatregion als große Bereicherung erfahren, und dass wir in dieser Vielfalt immer wieder gerne das entdecken, was uns verbindet.“

Der Schutz des kulturellen Erbes, so der Landrat, sei keineswegs etwas Verstaubtes, sondern kreative Arbeit an unserem Selbstverständnis und an unserer Zukunftsfähigkeit. Dieses Erbe übertrage uns eine Verantwortung für unser Gemeinwesen und für dessen Mitgestaltung. Auf diesem Erbe, „das uns Orientierung, Inspiration und Ermutigung schenkt und das uns in einem starken Wir-Gefühl verbindet“, basiere auch das im Landkreis Kronach starke Ehrenamt und Bürgerengagement, unterstrich der Landrat.

In der Wehrkirche St. Johannes Baptista, in der das Denkmaltagsprogramm unter Mitwirkung des Steinbacher Musikvereins eröffnet wurde, richtete Bürgermeister Thomas Löffler ein Grußwort an die sehr zahlreichen Besucher. Das nach Johannes den Täufer benannte Gotteshaus wurde von Kreisheimatpfleger Dieter Lau als ein „Schatzkästlein“ des heimischen Kirchenbaus ausführlich vorgestellt. Dabei wurden auch bis dahin wenig beachtete Aspekte zu seiner Geschichte und einstigen Funktion angesprochen. Die von einer Kirchhofmauer aus Bruchsteinen umgebene Chorturmkirche mit Satteldach und spitzbehelmtem Turm entstand im Kern um 1500.

Die von Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig geführte Exkursion durch Steinbach, die an der Wehrkirche begann, führte auch zu zwei markanten Stätten auf dem Rennsteig: dem steinernen Obelisken an der Wasserscheide und den Brückensteinen an der Eisenbahnbrücke. Anschaulich erläuterte Siegfried Scheidig die dort offenkundig werdenden, trennenden Elemente zwischen Nord und Süd: Gebirgskamm, Wasser- und Wetterscheide, aber auch historische Gau-, Bistums-, Herrschafts-, Konfessions-, Kultur- und Dialektgrenze. Diesen geografischen und geschichtlichen Vorgaben stellte Scheidig verbindende und das Zusammenwachsen fördernde Elemente politischer, kulturreformerischer, verkehrstechnischer und nicht zuletzt zwischenmenschlicher Art gegenüber. Beispielsweise schilderte er die technische Entwicklung der Eisenbahn, mit der der Gebirgskamm überwunden wurde.

Die katholische St.-Heinrich-Kirche wurde von Kreisheimatpfleger Dr. Robert Wachter als ein verbindendes Element zwischen dem Ortsteil Bahnhof und dem alten Ortskern von Steinbach vorgestellt. Es spreche für die Fortschrittlichkeit der Steinbacher, dass sie sich für ihr 1966 geweihtes Gotteshaus den modernsten der vorgelegten Planentwürfe herausgesucht hätten, bemerkte Wachter. Er erklärte, inwieweit die Heinrichskirche durch ihre „völlig andere Formensprache eines neuen Expressionismus“ von der bis dahin gängigen Sakralarchitektur abwich. Besonders verwies Wachter auf die „Pieta am Stacheldraht“ und damit auf ein Sakralkunstwerk, das die mittlerweile überwundene Teilung Deutschlands auf ungewöhnliche Weise thematisiert.

Pfarrerin Claudia Grüning-Göll stellte die Steinbacher Christuskirche vor und nannte es eine Besonderheit, dass Gotteshaus, Sakristei und Pfarrhaus in einem Guss entstanden. Die sich in klassischem Baustil zeigende Kirche sei 1953 geweiht worden. Wie die Pfarrerin weiter informierte, werde im Zuge der aktuellen Renovierung auch ein barrierefreier Zugang zur Kirche geschaffen. Ein besonderes Augenmerk richtete Grüning-Göll auf das zentrale Kunstwerk an der Altarwand: ein quadratisch und farbig gestaltetes Kreuz mit angedeuteten Wundmalen, das kombiniert ist mit einer Darstellung der Emmaus-Jünger mit dem auferstandenen Christus beim Abendmahl.

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Der Rennsteigpark und die beiden 1984 vom Kronacher Bildhauer Heinrich Schreiber geschaffenen Brückensteine an der Eisenbahnbrücke, die für die fränkisch-thüringische Verbundenheit stehen, bildeten die letzte Station der Denkmaltags-Exkursion im Kulturerbejahr 2018 durch Steinbach am Wald. Foto: Bernd Graf

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