In Boden und Stein – Denkmäler im Wald
So lautet der Titel einer 2009 von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und vom Zentrum Wald Forst Holz Weihenstephan herausgegebenen Broschüre, die ein Bewusstsein für die historische Bedeutung der in den Wäldern zahlreich vorhandenen Bodendenkmäler vermitteln will. Anschaulich informiert das Heft unter anderem über Höhlen und Felstürme, Grabhügel, keltische Viereckschanzen, Burgen, Wüstungen und landwirtschaftliche Reliktfluren, Kirchen im Wald, Kohlgruben und Meilerplatten, Kalk- und Pechöfen, Wald und Glasherstellung, Bergbau und Hüttenwerke, Steine und Gräben, Steine und Grenzzeichen, Wegespuren, Kanäle und Floßteiche, Wegkreuze, Martern und Bildstöcke, Orte der Erinnerung und Spuren der neueren Zeit. Eingegangen wird auch auf die Gefährdung und Störung sowie den Schutz und Erhalt der Denkmäler. „Nur was man kennt, schätzt und schützt man“, lautet ein Grundgedanke der Publikation. Der aus dem Landkreis Kronach stammende LWF-Präsident Olaf Schmidt verweist in seiner Einführung darauf, dass eine schonende Waldwirtschaft – und hierbei vor allem ein behutsamer Maschineneinsatz – der beste Schutz für die Bodendenkmäler ist.
„Kulturelles Erbe – wertvoll auf Dauer“ – „Alles für den Menschen“
Der 4. Wissenschaftstag der Europäischen Metropolregion Nürnberg am 30. April 2010 in Bamberg steht unter dem Motto „Alles für den Menschen“. In vier Fachpanels geht es um gute Bildung (Panel 1), um das kulturelle Erbe und dessen dauerhaften Wert (2), um neue Formen der Gesundheitsförderung (3) und um die Verantwortung als Herausforderung für die Wirtschaft (4). Panel 2, das hier stellvertretend etwas näher vorgestellt werden soll, unterstreicht die Bedeutung des kulturellen Erbes als Chance und Potenzial für Lebensqualität heute und für künftige Generationen. Im Einzelnen befassen sich die Teilnehmer mit dem Wohlfühlfaktor kulturelles Erbe, der Rolle der Regierung von Oberfranken bei Schutz und Pflege des kulturellen Erbes, der Kulturgutsicherung als Wirtschaftsfaktor, der Standortattraktivität als Vorteil bei der Suche nach guten Mitarbeitern und dem Engagement von Schülern für das Weltkulturerbe Bamberg.
Konzertina-Klang bereichert (ober-)fränkische Volksmusik
Zur Neuentdeckung der Heimat und zum Engagement für ihre Kulturgüter will eine Wanderausstellung der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken des Landesvereins für Heimatpflege anregen. Die im Herbst 2009 im Landratsamt Kronach gezeigte und auch vom Landkreis Kronach geförderte Ausstellung stellt vor allem die Region Oberfranken mit ihrem „immateriellen Kulturgut der Volks-/Gebrauchsmusik“ dar, wobei der thematische Schwerpunkt auf der Konzertina liegt. Bei der Ausstellungseröffnung in Kronach überzeugte Günter Fröba aus Teuschnitz, der zu den besten und vielseitigsten Konzertina-Spielern in Oberfranken zählt, vom faszinierenden Klang des Harmonika-Instruments. Auch das „Heimatkundliche Jahrbuch des Landkreises Kronach“ 23-2001/02 enthält einen aufschlussreichen Beitrag über das Konzertina-Spielen im Landkreis und im Bezirk. Autorin ist Ingeborg Degelmann, die ehemalige Leiterin der Bayreuther Arbeitsstelle der vorgenannten Beratungsstelle, deren Nachfolgerin Carolin Pruy die Wanderausstellung „Heimat neu entdecken“ konzipiert hat.
Wanderausstellung im Landratsamt Kronach vom 26. 10. bis 27. 11. 2009
(HSp v. 28. 10. 2009 / Randspalte links: Heimatkundliche Jahrbücher)
„Grünes Band“ – ein Naturparadies im Herzen Deutschlands
Eine natürlich pulsierende grüne Lebensader ersetzt den Todesstreifen des ehemaligen „Eisernen Vorhangs“. Am „Grünen Band“, dieser früher spaltenden und heute vereinenden Nahtstelle, sind Natur und Geschichte fest verknüpft. Die jahrzehntelange strenge Abschirmung der menschenverachtenden Grenzbarriere schuf unbeabsichtigt den nun wertvollsten Lebensraumverbund in Deutschland. „Thüringer Wald & Schiefergebirge/Frankenwald“ heißt die Erlebnisregion am thüringisch-fränkischen Abschnitt des „Grünen Bandes“ zwischen Mitwitz (Landkreis Kronach) und Mödlareuth (Landkreis Hof und Saale-Orla-Kreis). Mitwitz gilt vielen als Geburtsort des Gedankens, das „Grüne Band“ als nationales Naturerbe zu schützen. Und Mödlareuth, einst aufgeteilt und „Little Berlin“ genannt, ist wie die Bundeshauptstadt ein Symbol für die Teilung und Wiedervereinigung. Die faszinierende Mittelgebirgslandschaft dieser Erlebnisregion erstreckt sich vom Obermainischen Hügelland über das thüringisch-fränkische Schiefergebirge bis zum Vogtland.
Europäisches Flakon-Glasmuseum am Rennsteig in Kleintettau
Das Europäische Flakon-Glasmuseum am Rennsteig in Kleintettau entführt seine Besucher auf eine Reise durch 5000 Jahre Glasgeschichte. Auch im Frankenwald blickt die Glasherstellung auf eine lange Tradition zurück: Bereits 1661 kamen Glasmacher aus Thüringen und gründeten die erste Kleintettauer Dorfglashütte zur Flakonglasfertigung. Das Museum, dessen erste Planungseinheit Ende 2008 eingeweiht wurde, wird vom 2007 gegründeten Glasbewahrer-Verein betrieben. Wie Kreisheimatpfleger Gerd Fleischmann schreibt, können Besucher die Glasmacherkunst aus alter Zeit hautnah erleben. „Entweder am Hafenofen wie früher oder am so genannten Halbautomaten, der nach 1924 allmählich die Glasmacherpfeife abgelöst hat. Die halbautomatische Glasfertigung brachte mit dem Ersatz der menschlichen Lungenkraft durch Pressluft viel höhere Stückzahlen. In Kleintettau wurden bis Anfang der siebziger Jahre Flakons in dieser Technologie gefertigt.“ Zum neuen Glasmuseum gehört ein Ausstellungsraum für wechselnde Sonderausstellungen, in dem zum Auftakt mundgeblasene Champagnerflaschen aus der ehemaligen Champagnerflaschenfabrik in Stockheim gezeigt werden.
(HSp v. 25. 2. 2009)
Kulturlandschaft und ihre Elemente: erfassen, erhalten, vermitteln
Erhebung und Inventarisierung von Kulturlandschaft und ihren Elementen sind unverzichtbar für den langfristigen Erhalt dieser Kulturgüter. Dazu ist es nötig, dem vorhandenen kulturellen Erbe eine verstärkte öffentliche Wahrnehmung zu ermöglichen. Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), für den „Kulturlandschaft“ ein traditioneller Arbeitsschwerpunkt ist, hat 2008 den Tagungsband „Kulturlandschaftliche Informationssysteme in Deutschland“ herausgegeben. Einen der rund 30 Beiträge darin („Das Spannungsfeld zwischen Expertentum und Ehrenamt bei der Erfassung und der Erhaltung der historischen Kulturlandschaft“) hat Dr. Thomas Gunzelmann verfasst, der sich im Landkreis Kronach unter anderem mit der „Erfassung der Denkmäler und der Kulturlandschaft der Flößerei im Frankenwald“ einen Namen gemacht hat. Dieses Projekt stellt er, gemeinsam mit Christine Dorn, im „Heimatkundlichen Jahrbuch des Landkreises Kronach“ 24/2003-06 vor. Im selben Buch informiert Dr. Thomas Büttner über die „historische Kulturlandschaft des Landkreises Kronach“ und seine 24 Kulturlandschaftsräume. In seinem oben genannten Beitrag im BHU-Band unterstreicht Denkmalpfleger Gunzelmann, dass man bei der Kulturlandschaftserfassung und -pflege in hohem Maße auf die Mitwirkung ehrenamtlicher Kräfte und auf die Wertschätzung durch die gesamte Öffentlichkeit angewiesen sei.
(HSp v. 13. 1. 2009 / Randspalte links: Heimatkundliche Jahrbücher)
Plakataktion: „Heimat neu entdecken“ – im Naturpark
Die Plakatkampagne „Heimat neu entdecken“ macht aufmerksam auf die Aufgaben und Leistungen des Naturparks Frankenwald und der anderen Mitglieder im Verband Deutscher Naturparke (VDN). „Die vier Plakatmotive laden dazu ein, Natur und Landschaft vor der Haustür neu zu entdecken“, sagte der Erste Vizepräsident des VDN und Vorsitzende des Naturparks Frankenwald, Landrat Oswald Marr (Kronach). Die dargestellten Motive sind: „Heimat für Überflieger“ (Überlebenssicherung für die Tier- und Pflanzenwelt); „Heimat für Naturentdecker“ (Erleben der Natur und Kennenlernen der Heimat); „Heimat für Schusters Rappen“ (Erholung in der Natur zu Fuß oder mit dem Rad); „Heimat für Genussverstärker“ (Produkte aus der Region für schmackhafte Gerichte). Zu den Standorten der bundesweit gezeigten Großflächenplakate gehören Kronach, Vogtendorf, Fischbach, Gundelsdorf, Seelach und Knellendorf.
(HSp v. 12. 11. 2008)
Der Tod wird als Puppe aus dem Dorf getragen und vernichtet
Der in Ziegelerden alljährlich ausgeübte Brauch des Todaustragens – mundartlich „Duodla“ oder „Duodela nausdroung“ – wurde beim Museumsfest „Kirche, Kunst und Handwerk“ auf der Festung Rosenberg in Kronach vorgestellt. Der Vorsitzende des Heimatpflege-Vereins Gehülz/Seelach/Ziegelerden, Bernd Graf, erläuterte zunächst Ursprünge und Bedeutung des Todaustragens. Dem Brauch werde es nicht gerecht, wenn man ihn lediglich als Überbleibsel heidnischer Frühlingsfeste ansehe, denn Pestepidemien und Einflüsse des Christentums „dürften wesentlichere Rollen im Werdegang dieses Brauches gespielt haben“. Unter Leitung von Armin Herbst führten anschließend Kinder der Filialgemeinde St. Michael Ziegelerden vor, wie in ihrem Ort die Brauchausübung seit alters her vonstatten geht: Jeweils unter Aufsagen von überlieferten Heischeversen werden im Dorf zunächst Lumpen zum Bekleiden der mitgeführten Puppe und später – nach deren Hinaustragen und Verbrennen – Eier und Geld als Belohnung eingesammelt. Der Brauch, der allgemein mit dem Mittfastensonntag Lätare in Verbindung steht und deshalb Vorfreude auf die österliche Vernichtung des Todes ausstrahlt, wird in Ziegelerden erst am nachfolgenden Judika-Wochenende praktiziert.
Heimat in Zeiten von Globalisierung und Mobilität
„Heimat existiert“. Unter dieser Überschrift wies die Süddeutsche Zeitung (SZ) jüngst darauf hin, dass auch in „Zeiten der Globalisierung und grenzenlosen Mobilität“ die „Rückkehr zu den eigenen Wurzeln“ eine „erstaunlich große Bedeutung für die Menschen“ habe. Laut einer aktuellen Umfrage lebten 55 Prozent der Bundesbürger noch an ihrem Geburtsort oder in einer Nachbargemeinde. Wie bei jedem historischen Großtrend werde auch bei der Globalisierung die Reichweite und Tiefenwirkung überschätzt, schrieb Gustav Seibt. „Vielleicht wohnen die Menschen bald generell wieder enger beieinander und näher bei ihrer Arbeit, wenn Bewegung zum Luxus wird.“
(HSp v. 9. 10. 2008 / SZ v. 19. 7. 2008)
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