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An der Vollendung der Einheit weiter arbeiten
Im Gedenken an die Öffnung der innerdeutschen Grenze vor 20 Jahren gab es am 9. November 2009 im Haus des Volkes in Probstzella auf Einladung von Landrätin Marion Philipp eine Festveranstaltung des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt, an der auch der Kreistag Kronach teilnahm. Landrat Oswald Marr erinnerte in seiner Rede daran, dass auf 102 Kilometern Länge der Eiserne Vorhang den Landkreis Kronach von seinen Nachbarn in Thüringen schmerzlich getrennt hatte. „Die Öffnung und anschließende Aufhebung der deutsch-deutschen Grenze markierten einen grundlegenden Wendepunkt für unsere Heimatregion“, betonte Marr. Bei seiner Bilanz nach 20 Jahren thematisierte er das partnerschaftliche Verhältnis zwischen den Kommunen beiderseits der „Nahtstelle“, den Ausbau der Straßenverbindungen, das mögliche Mittelzentrum Ludwigsstadt-Probstzella, die von den Naturparken betriebenen Projekte „Grünes Band“ und „Geopark Schieferland“, die Neuinwertsetzung der Thüringer Warte und die angedachte länderübergreifende Berufsfachschule am Rennsteig. An der Vollendung der Einheit Deutschlands, so Marr, gelte es – gerade auch „hier in unserer thüringisch-fränkischen Heimatregion“ – weiterhin nach Kräften zu arbeiten. Zur Erinnerung an den Jahrestag der Grenzöffnung wurde an der Grundschule Probstzella gemeinsam ein Baum gepflanzt.
Von Care-Paket und „Trümmernot“ bis Nierentisch und Petticoat
„Wiederaufbau und Wirtschaftswunder“ ist die Bayerische Landesausstellung 2009 in Würzburg betitelt, die einen historischen Bogen von den Alltagsnöten und Entbehrungen der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zum neuen Wohlstand der fünfziger und frühen sechziger Jahre spannt. Die Entwicklungen und Entscheidungen dieser Zeit sind prägend bis heute. Das gilt für Stadtgrundrisse und Wirtschaftsstandorte ebenso wie für die Architektur von Kaufhäusern, Kinos und Kirchen. Das neue Bauen wollte sich durch einen leichten, transparenten Stil von der monumentalen NS-Architektur unterscheiden. In der Inneneinrichtung hingegen dominierten geschwungene Formen: Nierentisch und Side-Board, Tütenlampe und Wohnzimmercouch hielten Einzug. Die Dynamik dieser Zeit zeigte sich in unterschiedlichen Bereichen: Hausfrauen hatten elektrische Helfer wie die Waschmaschine zur Hand und brachten Exotisches wie den Hawaii-Toast auf den Tisch, während im Wohnzimmer der Fernseher lief und vor der Haustür das Auto parkte.
Landesausstellung vom 9. Mai bis 4. Oktober 2009, täglich 9 bis 18 Uhr, in der Residenz Würzburg
Internationales Astronomie-Jahr auch in Metropolregion Nürnberg
400 Jahre nach der Erfindung des Fernrohrs und den ersten Himmelsbeobachtungen durch Galileo Galilei haben die Vereinten Nationen das Internationale Jahr der Astronomie ausgerufen. 1609 veröffentlichte Johannes Kepler seine „Astronomia nova“, eines der bahnbrechendsten Bücher über unser Sonnensystem. Ihm gelang als Erstem die korrekte Beschreibung der Planetenbahnen. Im Jahr 2009 feiern Astronomen in über 130 Ländern die älteste aller Wissenschaften und führen die Faszination des gestirnten Himmels wieder vor Augen. Die Vereinten Nationen verbinden mit der Ausrufung des Astronomiejahrs die Vision, dass weltweit zehn Millionen Menschen erstmals durch ein Fernrohr den Himmel betrachten. Die vielfältigen Aktivitäten in der Europäischen Metropolregion Nürnberg zum Astronomiejahr hat die Nürnberger Astronomische Gesellschaft koordiniert. Zu den Höhepunkten zählt die auch im Kronacher Landratsamt (vom 3. bis 13. März 2009) zu sehende Wanderausstellung „Astronomie in der Metropolregion Nürnberg – Geschichte, Forschung und Volkssternwarten“. Als Darbietungen im Landkreis Kronach nennt das Programm unter anderem auch die Einweihung der neuen Sonnenuhr an der Lauensteiner Kirche, den „Planetenweg“ auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Kronach und eine Exkursion zur Sternwarte Sonneberg.
„Kultur des Anstandes und gesellschaftlichen Zusammenhalts“
Die „tiefe, weltumspannende Banken- und Finanzkrise, die sich in die Realwirtschaft hineinfrisst“, ist auch ein Thema im Weihnachts- und Neujahrsgruß 2008/09 des Kronacher Landrats Oswald Marr. „Wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen das auf unsere nahe, geschweige denn auf die fernere Zukunft hat“, schreibt Marr. „Wir wissen aber ganz sicher, dass langfristige, nachhaltige Konsequenzen daraus gezogen werden müssen.“ Es stehe uns gut an, daraus mehr Bescheidenheit und Lernfähigkeit abzuleiten, habe der Bundespräsident gesagt. Dem füge er – Marr – hinzu, dass das besonders für diejenigen gelte, „die uns diese gewaltige Krise eingebrockt haben“. Gerade sie müssten sich wieder auf die Kultur des gesellschaftlichen Zusammenhalts, des Gemeinwohls und des Anstandes besinnen. Vor allem diese Werte seien es aus der Sicht des Landrats gewesen, die das Zusammenleben und Zusammenwirken „in unserem Heimatlandkreis Kronach“ auch 2008 positiv gestaltet und geprägt hätten.
„Im Interesse der hungernden Bevölkerung“
Unter diesem Titel steht eine 2008 auch im Landratsamt Kronach gezeigte Ausstellung des Deutschen Landkreistags zu seiner Gründung im Ersten Weltkrieg. Zum ersten Mal sei in diesem Krieg die gesamte Bevölkerung in das Kriegsgeschehen mit eingebunden gewesen, heißt es in der Ausstellungsdokumentation. „Die Mobilisierung der Zivilbevölkerung und ihre Bereitschaft, Entbehrungen auf sich zu nehmen, bekam strategische Bedeutung für den Kriegsverlauf.“ Die Masse des Volkes musste bitter hungern. Rund 750.000 Menschen starben während des Krieges im Deutschen Reich an Unterernährung und deren Folgen. Ihren traurigen Höhepunkt erreichte die Ernährungskrise im berüchtigten Steckrübenwinter oder Hungerwinter 1916/17. Es gab nicht mehr genug Kartoffeln, die bis dahin Brot und Mehlprodukte ersetzt hatten. Die nährwertarme Steckrübe wurde zum Hauptnahrungsmittel eines Großteils der Bevölkerung. Patriotische Kriegskochbücher sollten Hausfrauen auf den Krieg einschwören und den Durchhaltewillen der „Heimatfront“ stärken. Auch um Einfluss auf die „Gestaltung der Verteilung der Lebensmittel durch die Reichsstellen“ zu gewinnen, wurde 1916 der kommunale Spitzenverband der Landkreise gegründet.
(NzZ v. 11. 11. 2008)
„Kürbisgruselkult“ Konkurrenz zu Reformationstag/Allerheiligen?
In Halloween, dem „Kürbisgruselkult“ am 31. Oktober, sieht „Focus Online“ eine „Konkurrenz für Reformationstag und Allerheiligen“, das evangelische Magazin „chrismon“ spricht von einem „künstlichen Brauch mit Schattenseiten“ und von einem „Mischfest aus Fasching, Erntedank und Martinstag“. Dabei verweist Burkhard Weitz auf den Volkskundler Helge Gerndt (Universität München), der es für unwahrscheinlich hält, dass das moderne Halloween mit keltischen Bräuchen zu tun habe, was nicht nur von Esoterikern, Neuheiden und Satanisten betont wird. Dass Halloween eine oberflächliche Spaßkultur fördere, eine unsinnige Geschäftemacherei sei und einen Rückfall in irrationalen Geisterglauben bewirke, beklagt das Erzbistum Bamberg. Nachdem der „Süßes-oder-Saures“-Spruch der umherziehenden „Gespensterkinder“ offenbar immer mehr als Vorwand für Sachbeschädigungen genutzt wurde, wird auf der Internetseite „Das Luther-Bonbon“ zu gewaltlosem und rücksichtsvollem Verhalten beim Heischegang aufgerufen. In Sachen Feiertagsschutz erklären Regierung von Oberfranken und Landratsamt Kronach, dass öffentliche Halloween-Unterhaltungsfeiern, die nicht dem ernsten Charakter des „stillen Tages“ Allerheiligen (1. November) entsprechen, an diesem verboten sind. Ein ähnlich respektvoller Umgang wäre auch für den in Bayern feiertagsgesetzlich nicht geschützten Reformationstag am 31. Oktober wünschenswert, so die Behörden.
(NzZ v. 31. 10. 2008)
Beitrag von Christen zum „versöhnten und gelungenen Miteinander“
Fast zwei Jahrzehnte nach der „deutschen Wende“ sei an der oberfränkisch-thüringischen Grenze die Verbundenheit der Christen von „hüben und drüben“ stark gewachsen, berichtete der Evangelische Pressedienst (epd) laut Sonntagsblatt (sob) Oberfranken und Unterfranken. 2009 sei es 20 Jahre her, „dass die innerdeutsche Grenze geöffnet und abgerissen wurde, die vielen den Tod brachte und anderen die Freiheit nahm“, stellten Vertreter des Dekanats Ludwigsstadt sowie der Kirchenkreise Sonneberg und Rudolstadt-Saalfeld fest. Aus diesem Gedenk- und Dankanlass soll vom 19. bis 21. Juni 2009 an der „Kalten Küche“ nahe Spechtsbrunn ein gemeinsamer Rennsteigkirchentag stattfinden. Auch soll dabei „an der Grenze zwischen Franken und Thüringen“ bei Kleintettau eine Gedächtnis-Grenzkapelle eingeweiht werden. Der Neubau aus den regionalen Materialien Holz, Schiefer und Glas erinnere äußerlich an Rennsteig-Wanderhütten, sagte Ludwigsstadts Dekan Martin Voß laut epd. Regionalbischof Wilfried Beyhl (Bayreuth) verwies auf „die gleichen Probleme“ Oberfrankens und Südthüringens wie „Abwanderung, Überalterung, Strukturschwäche und schrumpfende Gemeinden“, aber auch auf so manches erfreuliche Signal wie die in den letzten Jahren in den thüringischen Gemeinden gestiegene Zahl der Taufen und kirchlichen Trauungen.
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