Heimatkunde auf 252 Buchseiten: Band 28 der renommierten Schriftenreihe vorgestellt

15.07.2016

In der Kutscherstube des Wasserschlosses Mitwitz wurde Band 28-2016 der Schriftenreihe „Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach“ vorgestellt. Der neue, wiederum von der Kreisheimatpflege unter Schriftleitung von Bernd Graf herausgegebene Band sei angesichts seiner bemerkenswerten Themenvielfalt und seiner attraktiven Aufmachung ein würdiges Nachfolgewerk in der renommierten Reihe, betonte Landrat Oswald Marr. „Heimat braucht Menschen, die sie kennen, die sie mögen und die sie gestalten“, zitierte Marr ein bekanntes Motto der Heimatpflege. Um die Heimat, ihre Geschichte und Kultur, ihre Besonderheiten und ihre Werte kennenzulernen, lohne sich „die Beschäftigung mit unserer Schriftenreihe“.
Der als Schriftleiter fungierende Kreisheimatpflege-Leiter Bernd Graf dankte den Mitautorinnen und Mitautoren, den Kreisheimatpflegern und Sachgebietsmitarbeitern, dem Verleger und Jahrbuch-Gesamthersteller Frank de la Porte und seiner Frau Heide, dem Landrat sowie allen sonstigen Förderern der Buchherausgabe. Graf stellte die einzelnen Beiträge des neuen Jahrbuchs vor. Unter dem Foto sind diese Ausführungen nachzulesen.

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Bei der Jahrbuch-Vorstellung im Wasserschloss Mitwitz: Schriftleiter Bernd Graf überreicht ein Exemplar des neuen Bandes an Landrat Oswald Marr (hinten Mitte). Außerdem zeigt das Foto (hinten von links) Georg Schneider, Dieter Lau, Michael Trebes, Alexander Süß, Frank de la Porte, Hans Blinzler, Robert Wachter und Horst Mohr sowie (vorne von links) Roland Graf, Sabine Raithel, Klaus Loscher, Gerhard Walther, Heinz Köhler und Siegfried Scheidig. Foto: Gerd Fleischmann

Über die Themen des neuen Heimatbuches

„Eine neue Zeit bricht an“ ist ein sehr ausführlicher Beitrag von Siegfried Scheidig über die Elektrifizierung im Bezirksamt Teuschnitz betitelt – von den Anfängen in Ludwigsstadt 1908 bis zum Anschluss Friedersdorfs 1941. Darin enthalten sind auch interessante technische Zeitdokumente wie etwa über den Bau und die Wirkungsweise des einstigen Elektrizitätswerks von Ludwigsstadt. Dieser Beitrag macht rund ein Fünftel des Buchumfangs aus und schließt eine wichtige Forschungs- wie auch Publikationslücke.
Den Auftaktbeitrag liefert aber Gerhard Walther, der das Mühlholz als „eine Besonderheit nur im Frankenwald“ vorstellt und dabei zum Beispiel auch die Bedeutung von Gnadenholz und von Gemeinschaftsmühlen erläutert.
Eine historisch-geografische Betrachtung von Dieter Lau zeigt den Werdegang des ritterschaftlichen Küps vom Wehrturm zur Residenz auf. Bilder von Dieter Backert untermauern die Textaussagen.
Christian Porzelt bringt neue Erkenntnisse über den Kronacher Chronisten Coelestin Stöhr als Kunstsammler und erinnert in einem zweiten Beitrag an die italienischen Einwanderer im frühneuzeitlichen Kronach, die als Bauhandwerker, Kaufleute und Kaminkehrer gut integriert waren.
„Über den letzten Ruhestätten der Vorfahren…“ – unter diesem Titel thematisiert Roland Graf die Bestattungen in Kronachs Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptista im 18. Jahrhundert. „Nur die wenigsten Besucher“ des Gotteshauses nehmen heute noch wahr, dass sie schon im Vorhof „über die Gräber ihrer Vorfahren schreiten“, stellt der Verfasser eingangs fest.
Anja Weigelt stellt Karl Heinrich Traut, einen Benefiziaten im Einsatz für Kronachs Kultur, vor und bietet in einem weiteren, ebenfalls kürzeren Beitrag Neues aus der Familiengeschichte des Kronacher Malers Lorenz Kaim.
Auf eine erhellende Spurensuche nach der Persönlichkeit und dem Schaffen von Lorenz Kaim begibt sich Robert Wachter, der zu diesem Zweck Kaims Briefe an den Bamberger Architekten Jakob Schmitt-Friderich auswertet. Am Beispiel der Tschirner Kirche schildert der Verfasser die Eigenwilligkeiten des bekannten Kronacher Künstlers.
Ein aufschlussreicher Rückblick von Alexander Süß auf die verlorene Welt der Kronacher Hut- und Kappenmacher trägt den Titel: „Koks, Eiersieder und Demokratenhut“. Das mit der Schließung von „Hut Barabo“ 2006 in Kronach erloschene, ehrenwerte Gewerbe wird über mehr als fünf Generationen zurückverfolgt.
Michael Trebes präsentiert Johann Baptist Barnickel als den „Pax-nickel“ aus Pressig, der vom Müllerssohn zum Priester, Wissenschaftler und Urheber einer Versicherung wurde. Barnickel machte sich in der internationalen Fachwelt unter anderem mit der Berechnung des Ostertermins und mit der Forderung einer Weltkalenderreform einen Namen.
Klaus Loscher berichtet über Hermann Werner und dessen Engagement für Arbeiterbewegung, Gewerkschaft und Sozialdemokratie. Der in der Porzellanfabrik Bauer, Rosenthal & Co. beschäftigte Werner war im Jahre 1900 Mitbegründer der Kronacher SPD.
Auf Initiativen zur Verkehrsanbindung für den Raum Mitwitz blickt Heinz Köhler zurück. Im Mittelpunkt steht dabei das lange Ringen um die Steinachtalbahn, die 1920 endlich als „Ringbahn“ eröffnet wurde. Auch die Erschließung mit Kutsche und Bus wird thematisiert.
Eine Eisenbahntragödie am Ostersonntag 1898 in Stockheim ruft Gerd Fleischmann anschaulich in Erinnerung. Interessant ist dabei auch, wie dank der seinerzeitigen Lokalpresse Licht in das Dunkel des dramatischen Geschehens gebracht werden konnte.
Anhand der Baugeschichte der Weinbergkapelle zu den sieben Schmerzen Mariens bei Friesen untersucht Georg Schneider das Wechselspiel zwischen geistlicher Autorität und erwachender dörflicher Emanzipation. Im Bau der Kapelle erkenne man die Anfänge eines ausgeprägten Laienengagements, resümiert der Verfasser.
Horst Mohr begibt sich auf akribische Spurensuche zum Vorgehen eines NS-Standgerichts in Nordhalben, das die brutale Hinrichtung des österreichischen Soldaten Willibald Frischmann am 10. April 1945 zu verantworten hatte. Dem diesjährigen Nordhalbener Gedenken 71 Jahre nach diesem Tötungsverbrechen widmet Hans Blinzler eine kurze Darstellung.
„Der Krieg hat noch nie gute Früchte getragen…“, steht über einem von mir verfassten Beitrag, für den ich Ereignisse und Entwicklungen der unmittelbaren Nachkriegszeit 1945/46 aus damaligen Landratsberichten zusammengestellt habe.
„Flüchtlinge“ als Wort des Jahres 2015 und die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa nehme ich in einem kurzem Beitrag als Aufhänger für lokale Betrachtungen über Migranten, Flüchtlinge, Asylbewerber und Heimatvertriebene in Gegenwart und Vergangenheit.
Aus dem Blickwinkel der Landratsamts-Öffentlichkeitsarbeit erinnere ich an die Grenzöffnung 1989 und daran, wie sie erlebt wurde und was sie nach sich zog. Anhand einiger archivierter Btx-Nachrichten des Landratsamtes zeige ich auf, wie darin lokale Wende-Ereignisse aus jenen geschichtsträchtigen Tagen dokumentiert sind.
Die „Pietà am Stacheldraht“ in St. Heinrich Steinbach am Wald stellt Robert Wachter als einzigartiges christliches Kunstwerk und als außergewöhnliches Zeugnis der einstigen deutschen Teilung vor.
Siegfried Scheidig widmet sich dem seit kurzem in Ludwigsstadt museal präsentierten Schiefergiebel von Zeyern und damit der ältesten erhaltenen Schieferfassade im fränkisch-thüringischen Raum. Dabei schildert er natürlich auch die aufwendigen Sicherungsmaßnahmen.
Das „Oberschlesienlied“ und das aus ihm hervorgegangene „Oberfrankenlied“ bilden den Ausgangspunkt meiner Nachforschungen über Heimathymnen im Landkreis Kronach und die durch sie bewirkte regionale und lokale Identität. Dieser mit „… da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus“ überschriebene Jahrbuchbeitrag greift aus gegebenem Anlass auch den Gauck-Besuch im April dieses Jahres im Landkreis Kronach auf.
Sabine Raithel verfasste eine kleine regionale Kulturgeschichte der Arnika unter dem Titel: „Zauberpflanze, Heilkraut und Hoffnungsträgerin“. Dass dieser lehrreiche Streifzug auch in die Arnika-Stadt Teuschnitz führt, ist sicherlich nicht überraschend.
Kommen wir schließlich zu den letzten 17 Buchseiten: Neben einem Verzeichnis heimatkundlicher Veröffentlichungen der jüngsten Vergangenheit, einer Nachlese zum „Projekt Auferstehung“, einigen Bildern aus Heimatpflege und Lokalgeschehen sowie einigen weiteren Anhang-Beiträgen geht es auch noch um den Flößer in der Mundartdichtung. Dabei werden zwei von Hans Blinzler geringfügig überarbeitete Gedichte Willi Schreibers dargeboten: „Flößers Erntedank“ und „Flößers Wiegenlied“.

Titelseite Heimatkundliches Jahrbuch Band 28

Kategorien: Kultur